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1. Was ist Resveratrol?
Resveratrol ist ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Stilbene – einer Untergruppe der Polyphenole. Pflanzen wie Weintrauben, Erdnüsse und Blaubeeren bilden Resveratrol als Reaktion auf Stressfaktoren wie UV-Strahlung, Verletzungen oder Pilzbefall.
In der Natur kommt Resveratrol in zwei isomeren Formen vor: als cis- und als trans-Resveratrol. In Nahrungsergänzungsmitteln wird nahezu ausschließlich die trans-Form eingesetzt, da sie als stabiler und wissenschaftlich besser untersucht gilt.
Resveratrol zählt nicht zu den essenziellen Nährstoffen – der Körper benötigt es nicht zwingend, eine Unterversorgung im klassischen Sinn gibt es also nicht. Über die Ernährung nehmen wir Resveratrol vor allem über Traubenschalen, Erdnüsse, bestimmte Beeren und in geringen Mengen über Rotwein auf. Die enthaltenen Mengen sind jedoch gering und stark schwankend: Ein Glas Rotwein liefert häufig deutlich weniger als 1 mg – Studienmengen lassen sich über die Ernährung praktisch nicht erreichen.
2. Wie wirkt Resveratrol im Körper?
Nach der Einnahme wird Resveratrol im Körper rasch verstoffwechselt, unter anderem zu Sulfaten und Glucuroniden – das begrenzt, wie viel unverändertes Resveratrol tatsächlich im Blut ankommt.
Bekannt wurde der Stoff vor allem durch seine mögliche Rolle bei der Aktivierung von Sirtuinen, insbesondere SIRT1 – einem Enzym, das an der Regulation zellulärer Stressantworten beteiligt ist. In der Forschung wird zunehmend diskutiert, dass diese Wirkung eher indirekt zustande kommt: über eine Hemmung von Phosphodiesterasen (v. a. PDE4), was den Botenstoff cAMP erhöht und nachgeschaltet AMPK- und NAD+-abhängige Signalwege aktiviert.
In Studien wurde außerdem beobachtet, dass Resveratrol antioxidativ wirkt und Entzündungsmarker wie Interleukin-6 und TNF-alpha senken kann. Bei höheren Dosen ab etwa 1 g pro Tag zeigten sich in Untersuchungen zudem Wechselwirkungen mit Leberenzymen der CYP-Familie, die für den Abbau vieler Medikamente wichtig sind.
3. Relevanz für Longevity
Resveratrol gilt seit den frühen 2000er-Jahren als eines der bekanntesten Moleküle der Longevity-Forschung – nicht zuletzt, weil es strukturell ähnliche Effekte wie eine Kalorienrestriktion auslösen könnte, jene Ernährungsform, die in Tiermodellen wiederholt mit einer verlängerten Lebensspanne in Verbindung gebracht wurde. Diese Idee eines „Kalorienrestriktions-Mimetikums“ machte Resveratrol prominent, unter anderem durch die Forschung um David Sinclair.
Die Studienlage ist differenziert zu betrachten: In Tierversuchen zeigte sich unter normalen Lebensbedingungen meist keine verlängerte Lebensdauer, positive Effekte traten vor allem unter metabolischem Stress auf, etwa bei fettreicher Ernährung der Tiere. Beim Menschen liegen bislang keine belastbaren Daten vor, die eine lebensverlängernde Wirkung belegen.
Resveratrol bleibt damit ein spannendes, aktiv erforschtes Feld der Sirtuin- und NAD+-Forschung – aber bislang ohne gesicherten Nachweis eines Longevity-Effekts beim Menschen.
4. Was sagt die Wissenschaft?
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Herz-Kreislauf-System: In mehreren Humanstudien berichten Studienautor:innen von einer verbesserten Endothelfunktion, unter anderem gemessen an der flussvermittelten Gefäßerweiterung. Bei Personen mit Bluthochdruck wurde in Subgruppenanalysen ab Dosen von rund 300 mg/Tag eine Senkung des systolischen Blutdrucks beobachtet.
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Zellschutz: In-vitro-Studien deuten auf eine Aktivierung von Sirtuinen und eine Reduktion oxidativer Zellschäden hin; die Übertragbarkeit auf den lebenden Organismus ist Gegenstand laufender Forschung.
5. Für wen ist Resveratrol besonders relevant?
Resveratrol wird vor allem von Erwachsenen genutzt, die sich für Longevity-Themen, Zellschutz und einen gesunden Stoffwechsel interessieren
6. Einnahme, Dosierung & Wechselwirkungen
Da Resveratrol nicht essenziell ist, existiert kein Referenzwert (NRV) und keine offizielle Tagesempfehlung. Rechtlich verbindlich ist jedoch die EU-Novel-Food-Zulassung: Trans-Resveratrol – sowohl aus klassischer Extraktion als auch aus mikrobieller Fermentation – ist für Nahrungsergänzungsmittel bei Erwachsenen, ausgenommen Schwangere und Stillende, bis zu einer Höchstmenge von 150 mg pro Tag zugelassen. Produkte müssen zudem den Hinweis tragen, dass Personen unter Medikamenteneinnahme vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen sollten.
In wissenschaftlichen Studien wurden sowohl niedrigere Mengen über lange Zeiträume eingesetzt, etwa 150 mg/Tag über 24 Monate mit guter Verträglichkeit, als auch kurzfristig sehr hohe Dosen im Gramm-Bereich. Letztere gingen häufiger mit Magen-Darm-Beschwerden einher. Welche Menge im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Gesundheitszustand, Zielsetzung und bestehender Medikation ab und sollte individuell mit Arzt oder Apotheke besprochen werden. Da Resveratrol fettlöslich ist, wird eine Einnahme zu einer fetthaltigen Mahlzeit empfohlen, um die Aufnahme zu unterstützen.
Wechselwirkungen mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln: Als Polyphenol kann Resveratrol – ähnlich wie andere sekundäre Pflanzenstoffe – die Aufnahme von Eisen, Magnesium und Zink im Darm beeinträchtigen; ein zeitlicher Abstand von etwa 2–3 Stunden zwischen der Einnahme wird empfohlen. Mit den Antioxidantien Vitamin C und Vitamin E wird dagegen eine additive beziehungsweise synergistische antioxidative Wirkung diskutiert, ebenso mit Omega-3-Fettsäuren im Hinblick auf entzündungshemmende und kardiovaskuläre Effekte.
7. Fazit
Nicht jede Form von Resveratrol erreicht im Körper dasselbe Ziel – und nicht jede Studienmenge lässt sich eins zu eins auf den Alltag übertragen. Klar ist aber: Resveratrol zählt zu den am besten erforschten Molekülen der Longevity-Wissenschaft, mit einer wachsenden Zahl an Studien zu Sirtuinen, Zellschutz und Stoffwechsel.
Wer sich für dieses Forschungsfeld interessiert, sollte vor allem auf Reinheit und Herkunft des Rohstoffs achten – hier unterscheiden sich Produkte am Markt erheblich.
Quellen:
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EFSA NDA Panel (2016): Scientific Opinion on the safety of synthetic trans-resveratrol as a novel food.
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Durchführungsverordnung (EU) 2022/672 der Kommission vom 22. April 2022 zu den Spezifikationen von trans-Resveratrol aus mikrobieller Quelle.
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Verbraucherzentrale: Neuartige Nahrungsergänzungsmittel – Übersicht zugelassener Novel Foods.
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Vitalstoff-Lexikon: Resveratrol – Interaktionen und Nebenwirkungen.
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ClinicalTrials.gov: Cardiovascular Health of Older Adults and Resveratrol (CORE), NCT02909699.
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ClinicalTrials.gov: Resveratrol for Alzheimer's Disease, NCT01504854.